Fachhochschule Frankfurt unterstützt Kommunen im Zeichen des demografischen Wandels – Pilotprojekt mit der Stadt Rödermark



Für Kommunen ist der demografische Wandel eine bedeutende Herausforderung: Sie sind über einwohnerbezogene Finanzzuweisungssysteme von „ihren“ Menschen abhängig und halten die Mehrzahl der infrastrukturellen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen für ihre Bürger vor. Eine alternde und zum Teil auch schrumpfende Bevölkerung geht somit mit veränderten Bedarfen und geringeren Einnahmen einher.


Das Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW) an der Fachhochschule Frankfurt am Main bietet im Rahmen des Projekts Computergestützte Politikberatung von Kommunen den Städten und Gemeinden nun Hilfestellungen an, um sich den künftigen Anforderungen der demografischen Entwicklung zu stellen. Gemeinsam mit dem Institut für Neue Medien (INM) in Frankfurt führte das FZDW unter Leitung von Prof. Dr. Gerd Doeben-Henisch vom Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften nun ein Pilotprojekt in der Stadt Rödermark im Landkreis Offenbach durch. Ziel war es, auf der Basis der Bevölkerungsdaten des Statistischen Landesamtes mithilfe einer Simulationssoftware die künftige Entwicklung der Bevölkerungszahl und Bevölkerungsstruktur Rödermarks zu prognostizieren. Vielfach ist es den Repräsentanten von Städten und Gemeinden nämlich gar nicht so recht bekannt, wie sich in Zukunft Bevölkerungszahl und Altersstruktur in der Kommune entwickeln werden.


Die Ergebnisse, die das Projektteam um Prof. Doeben-Henisch dem Magistrat der Stadt Rödermark in seiner jüngsten Sitzung vorstellte, lassen auf eine starke Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung schließen: So prognostizieren die Forscher vom FZDW und dem INM für das Jahr 2020, dass sich die Zahl der 65 bis 79-Jährigen in Rödermark von 3.831 Menschen (Stand 2007) auf 4.477 Personen erhöhen wird, was einem Anstieg von 17% entspricht. Die Zahl der 80-Jährigen und älteren Menschen in Rödermark dürfte den Berechnungen zufolge sogar um rund 69% ansteigen und in 2020 bei knapp 1.700 Menschen liegen (2007: 1005). Zudem wird ein deutlicher Rückgang der Bevölkerungszahl auf knapp 23.000 Einwohner von aktuell etwas mehr als 26.000 Menschen erwartet. „Dies hängt neben dem Geburtendefizit auch mit unseren Annahmen zu den Wanderungsbewegungen zusammen“ begründet Sven Stadtmüller, wissenschaftlicher Mitarbeiter des FZDW.


Das Projektteam hat sich nämlich die Wanderungsbilanz Rödermarks der letzten Jahre angeschaut und diesen Saldo als Grundlage für seine Prognose gewählt. Der Durchschnitt der Wanderungsbilanz Rödermarks ist negativ. Allerdings weisen die Wanderungszahlen auch starke Schwankungen auf. Daher ist das Forscherteam nun an den Motiven der Wanderungsbewegungen besonders interessiert. „Warum ziehen die Menschen von A nach B? Wenn wir gesicherte Antworten auf diese Frage finden, dürfte dies für die Stadt- und Entwicklungsplanung von Städten und Gemeinden von großem Interesse sein“, meint Eero Wolf, der im Projektteam für die Modellierung der Bevölkerungsentwicklung verantwortlich ist. Auch ein Fernziel haben die Forscher vor Augen: „Wir wollen zu einem Modell einer Kommune gelangen und aufzeigen, welche Faktoren auf welche Art und Weise miteinander in Beziehung stehen“, sagt Doeben-Henisch und lässt ein Beispiel folgen: „Die Bevölkerungsentwicklung in einer Kommune hat z.B. große Auswirkungen auf den kommunalen Haushalt, aber auch auf andere Aspekte wie die Wohnungsnachfrage oder den Energiebedarf.“ Schritt für Schritt, so das Ziel, solle das Projekt „Computergestützte Politikberatung für Kommunen“ ausgebaut und verfeinert werden, um dann in noch stärkerem Ausmaß als bislang den Kommunen als Hilfsinstrument für die kommunale Stadt-, Sozial- und Entwicklungsplanung dienen zu können. Für das Projekt benutzt das Projektteam die open source Software OKSIMO (Open Knowledge SImulation MOdeling), einer Gemeinschaftsentwicklung des INM und der FH Frankfurt.


Informationen zum Projekt finden sich auf der Homepage des FZDW unter: www.fh-frankfurt.de/fzdw.